Mariengroschen - Hassel

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Mariengroschen

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Mit Mariengroschen besteuert

So rollten sie also dahin die Frachtwagen von Barriere zu Barriere je Pferd mit einem Mariengroschen besteuert. Die Schlitten fuhren sanfter, so kostete jedes Pferd nur sechs Pfennig. Für ein Reitpferd wurden vier Pfennig bezahlt und wer Schafe, Schweine, Kälber und Ziegen über die Gemarkungsgrenze vielleicht zum Markt trieb, der konnte das getrost tun, wenn er nur einen Pfennig pro Stück bezahlen wollte. Was blieb uns also übrig, als unseren Vorfahren, die vor uns gefahren sind, nur noch -nachträgich- das zu wünschen, was wir uns auch wünschten: Gute Fahrt und gute Reise!

Versetzen wir uns aber einmal zurück in ihre Zeit. Da begegnen wir den alten Frachtfahrern, jenen "Söhnen Enaks", die Gustav Freytag beschrieb. Sie stehen vor dem Stammtisch -breit und wuchtig, kippen einen "Hoppenstedler" aus dem "Blaurand" hinter die Binde, füllen ihre Ölfunzeln auf und starken schweren Schrittes wieder hinaus. Und vor der Tür der "Hallerschenke" stehen ihre großen Wagen, mit mächtigen Fässern und Ballen beladen; verschnürt die Fracht mit dicken Stricken, durch künstlerische Knoten zusammengehalten.

Ein Vierer- oder gar ein Sechsergespann davor, gewaltige Pferde, mit messingbeschlagenen, blinkendem Zaumzeug geschmückt, und gewartet von riesenhaften, breitschultrigen Männern. In ihren derben blauen Blusen erscheinen sie wie die Überreste eines alten Volkes, von dem die Märchen erzählen, daß es einst auf deutschem Boden gehaust und mit turmhohen Felsblöcken murmeln gespielt habe. Giganten, alle von der Natur aus zähem Holz über Lebensgröße ausgeführt, die mit Zentnern umgingen wie gewöhnliche Menschen mit Pfunden. Und von der nahen Saline in Sülze kamen die Sölter mit ihren blauen Kastenwagen auf hohen Rädern unter weißer Plane. Sie trugen blau-weiß gestreifte Kittel. Und noch heute erkennt man auf dem Grünewalter Mastenweg tiefe Fahrspuren jener Sölterwagen die in die Dämmer der Geschichte weisen.

Denn Jahrtausende waren vergangen, bevor die Menschheit dahin gelangte, dem Verkehr durch Straßen regelmäßige Bahnen zu schaffen. Erst als die Staatenbildung begonnen hatte, als infolgedessen Krieg und Handel anfingen, die Menschen weit über die Grenzen ihrer Wohnstätten hinausfuhren, als zugleich mit der Hebung des Feldbaues der steigende Bodenwert das übliche Querfeleinfahren über Äcker und Wiesen einschränkte, da mußte bald für Unterhaltung der immer lebhafter benutzten Fahrwege seitens des Staates etwas getan werden. So entstanden die Straßen, und im Zuge ihrer Entwicklung entstanden die Hauptverkehrsstraßen, bei der Unvollkommenheit der Mittel jener Zeit eine ungeheure Leistung. Und so entstand auch im Jahre 1790 die von Hannover nach Harburg und Hamburg führende Post- und Heerstraße.

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